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Die „Minirundfahrt“ Riderman ist ein Highlight in der German Cycling Cup Serie (GCC). Mit einem Einzelzeitfahren (EZF) und zwei selektiven Tagesetappen bringt sie die Charakteristik einer richtigen Rundfahrt in ein überschaubares Programm. Insgesamt gilt es dabei 185 Kilometer und etwa 2.500 Höhenmetern zu bewältigen. Mit circa 500 Startern keine leichte Aufgabe – aber es geht um viel, denn hier gibt es über das Jahr gerechnet die meisten Punkte für das GCC Klassement zu holen.

Anders als bei den anderen Straßenrennen im GCC beschränkt sich die Renntaktik nicht nur auf einen Event. Einerseits klassiert das EZF direkt alle Starter, andererseits sind in den harten, bergigen Etappen auch gute fahrerische Qualitäten in den Anstiegen und als Roller gefragt.

Meine Renntaktik, die mir Team-TOUR-Trainer Mathias Nothegger (nom-training.com) ans Herz gelegt hat, war daran angepasst. Der Plan war, aus der letzten Vorbereitungswoche ohne wesentliche Vorbelastung locker und ausgeruht in das EZF am Freitag zu starten, den Körper dort erst zu wecken und dann am Samstag in der welligen Etappe richtig Gas zu geben.

Gesagt, getan. Für das EZF stimmte ich noch die genauen Pulswerte ab, um nicht zu früh zu überpacen (siehe Fotos Puls Vorgabe & Auswertung). Vor dem Start hatte ich mir noch meine Chancen ausgerechnet – Zeitfahren gehört ja eigentlich nicht direkt zu meinen Stärken und das letzte liegt bestimmt schon 20 Jahre zurück – irgendeine Bayrische Meisterschaft bei den Junioren, bei der ich so schlecht war, dass ich nie wieder bei einem gestartet bin :) . Also was könnte rausspringen – maximal drei Minuten Rückstand auf die Besten sollten eigentlich drin sein? So ging es auf die circa 16 Kilometer, die gleich mit einem etwa 1.000 Meter langen Anstieg begannen. Auf den ersten Metern kam es mir vor, als würde es nicht recht vorwärtsgehen, aber dank Mathias’ eindringlichem Hinweis, sachte zu starten und mich an die Pulswerte zu halten, hielt ich mich zurück und fand schon bald in meinen Rhythmus. Das wellige Profil schien mir zu liegen und so nutzte ich die Anstiege, voll an die Grenze zu gehen, um dann auf den Abfahrten etwas raus zu nehmen und mich ein wenig zu erholen. Über die letzte Kuppe, mit 75 km/h bergab Richtung Ziel, noch 1.000 Meter und ich hatte das Gefühl, wirklich alles gegeben zu haben. Die Beine waren leer und ich kam mit der letzten Reserve ins Ziel. Ergebnis: nur circa zwei Minuten hinter der Spitze, Platz 37 Gesamt. Eine sehr gute Ausgangslage für die nächsten zwei Tage.

Samstag. 82 Kilometer mit circa 1.200 Höhenmetern standen an. Klingt nicht so dramatisch, aber ein Wetterumschwung auf herbstliche zehn Grad mit Regen machte den Kurs zusätzlich schwer. Die vielen kurzen aber heftigen Anstiege reduzierten das Feld schon bald nach dem Start. Auf den teilweise recht schmalen Wirtschaftswegen war dann Windkante angesagt – und wer sich nicht in der Spitzengruppe halten konnte, kam auch nicht mehr ran. Auf den letzten 15 Kilometern waren dann nur noch etwa 30 Mann zusammen und es ging in den letzten richtig steilen Anstieg. Sandro Kühmel (DKV), der aktuell Gesamtführende im GCC attackierte und ich folgte auf den ersten Metern. Konnte ihn nicht ganz halten, aber es waren nicht mehr viele dabei. Mit circa fünf Fahrern um Julian Horstmann (Bürstner-Dümo) machte ich mich auf die Verfolgung. Die letzen drei Kilometer waren nochmal leicht ansteigend, wir schlossen wieder auf und schon ging es in die Abfahrt zum Ziel. Im Sprint nur als sechster über den Strich gerollt, aber richtig Zeit gut gemacht! Teilweise zwei, drei, vier Minuten auf die Konkurrenz um mich herum. Ich rückte vor auf Platz zehn Gesamt / AK 2. Super!

Sonntag. Das Wetter war wieder deutlich besser, eigentlich standen die längeren Anstiege auf dem Programm, aber es wollte nicht recht auseinander gehen. War gut dabei und mit etwa 50 Mann kam es zum Massensprint. 500 Meter vor dem Ziel befand ich mich noch in aussichtsreicher Position, irgendwo an dritter bis fünfter Stelle, dann zog Marcel Wüst an mir vorbei und nahm direkt die Füße hoch, ich versuchte nach rechts auszuweichen, aber eine Straßenverengung nahm mir den Schwung – egal. Ich war mit der Spitze im Ziel, die Platzierung hatte keinen Einfluss mehr auf das Gesamtklassement. Es blieb beim zehnten Gesamtplatz und dem zweiten in der Altersklasse – wobei der erste in meiner AK auch der Gesamterste war. Hier war also nicht mehr viel drin . Alles richtig gemacht und mit den vielen Punkten die Führung in der GCC AK Masters 2 Gesamtwertung zurückerobert! Münster konnte kommen!

Ein großes Kompliment geht noch an die Veranstalter um Rick Sauser (www.sauser.de). Die drei Tage waren hervorragend organisiert. Die Strecken waren anspruchsvoll und sehr gut abgesichert. Die Zeitmessung funktionierte perfekt, die Fahrerbesprechungen und Ehrungen waren kurzweilig, informativ und es gab tolle Preise. So macht Radrennenfahren richtig Spaß & ich freue mich schon, 2013 wieder zu kommen.

Alar

P.S. Herzlichen Dank an Richard Trojan und Hartmut Hübner für die tollen Fotos und an die Pension Hildegard Tschida für die bestmögliche Pre-Race-Orga (Bitzstraße in Bad Dürrheim)

 

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