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Geschafft – unglaublich – Gesamtsieg im German Cycling Cup, Altersklasse Masters 2 und damit Deutscher Meister! Wer hätte das zum Saisonstart im April in Köln jemals gedacht?

Aber ganz von vorne: Herbst 2011 – ich fand eine Meldung im TOUR-Magazin mit der Einladung, sich für das Team TOUR powered by CUBE zu bewerben. Der Team-Saisonhöhepunkt sollte die Teilnahme an der Schwalbe-TOUR-Transalp 2012 sein – das klang doch sehr verlockend. Ich hatte zwar schon bald 15 Jahre kein Radrennen mehr bestritten, doch mein Ehrgeiz war geweckt und was wäre das für eine großartige Gelegenheit, gemeinsam mit einem ambitionierten Team wieder etwas Radsportluft zu schnuppern. Teampartner gesucht & gefunden, Bewerbung eingereicht, Vorauswahl überstanden – und schon kam die Einladung zum Interview im Januar.

Dann ging alles ganz schnell. Basti – mein Team-Mitbewerber und ich schlugen uns beim Interview gut und wurden ins Team TOUR powered by CUBE aufgenommen – große Freude! Bald schon ging es zur Materialausgabe und fast direkt danach ins Team-Trainingslager nach Mallorca. Ein bisschen fühlte es sich an wie Weihnachten und Geburtstag zusammen.

Im Trainingslager erwartete uns neben viel Sonne, schönen Ausfahrten, leckerstem Mandelkuchen und Kaffee unser Team Trainer Mathias Nothegger, der sich mit seiner genialen Trainingssteuerung noch als Schlüsselfigur für die Saison herausstellen sollte. Die Grundlage war geschaffen und die Saison konnte starten.

Als Vorbereitung auf die Transalp ermöglichte uns die Teamleitung, an den Rennen der German Cycling Cup (GCC) Serie teilzunehmen. Um ehrlich zu sein, vom GCC hatte ich noch nie gehört, aber ich war ja auch eine ganze Weile raus aus dem Renngeschehen. Also auf nach Köln und an den Start des ersten GCC Rennens der Saison. Tausende von Startern, eine super anspruchsvolle 124-Kilometer-Strecke, mieses Wetter – gefühlte drei Grad und Dauerregen – puhhh, auf was hatte ich mich da eingelassen? Doch es lief viel besser, als erwartet. Ich konnte mich über den Rennverlauf an den vielen knackigen Anstiegen in der Spitzengruppe etablieren und wurde nur durch einen Sturz knappe fünf Kilometer vor dem Ziel etwas ausgebremst. 33. Platz – das konnte sich nach so vielen Jahren Rennabstinenz doch sehen lassen! Nach Köln ging es dann nach Göttingen, Frankfurt, Schleiz und Leipzig – und nach diesen fünf Rennen arbeitete ich mich auf Platz drei in der GCC Gesamt- und Platz 1 in der Masters-2-Wertung vor. Ich konnte es selbst kaum glauben. Also gab es neben der Transalp noch ein weiteres Saisonziel: Die Führung in der Masters-2-Wertung bis zum Ende der 2012er GCC Serie zu verteidigen.

Doch jetzt kam erst mal die Transalp – und wir waren schon etwas aufgeregt – würden wir es wirklich schaffen, sieben so lange & harte Etappen gut zu überstehen? Reicht die Form? Wird das Material halten und bleiben wir von Stürzen verschont? Aber alles großartig – Tage wie diese! Eine ganze Woche unseren A-Block Startplatz verteidigt und richtig Spaß gehabt. Keiner konnte sich am Ende in Arco vorstellen, dass es am nächsten Tag keine weitere Etappe mehr geben sollte. So viele Glücksgefühle auf dem Rad in einer Woche zu erleben, ist ein Geschenk fürs Leben.

Wegen Terminüberschneidung mit der Schwalbe –TOUR-Transalp musste ich einen GCC Lauf in Hockenheim auslassen. Beim nächsten in Bielefeld hatte ich den ersten und einzigen Defekt der gesamten Saison und war jetzt in den GCC Wertungen weit nach hinten abgestürzt. Es zählen zwar nur die besten acht von elf Rennen, aber man muss auch erst mal acht Rennen nach Hause bringen.

Vor dem Finale in Münster folgten dann noch Bremen, Nürburgring und die Mini-Rundfahrt Rothaus Riderman. Es lief wieder besser, aber spannend war es bis zum Schluss. Nach dem hervorragenden Abschneiden beim Riderman konnte ich knapp 100 Punkte Vorsprung auf meinen Lieblingskontrahenten Thomas Jablonski vom Merkur-Druck-Team herausfahren. Hätte ich in Münster einen Defekt oder käme wegen eines Sturzes nicht ins Ziel, würden diese nicht reichen. In Münster – zumindest legte ich das etwas missverständliche GCC-Reglement zunächst so aus – zählen die Punkte für die Einzelwertungen dreifach. Entsprechend groß war die Aufregung in den Tagen vor dem Start. Dabei ging es mir weniger um mich, als um alle meine Supporter. Meine Familie und Freunde haben mich über das Jahr so toll unterstützt, dass ich überhaupt so weit kommen konnte und auch mein Team stand immer voll hinter mir. Es ging also um alles :)

Vor dem Rennen kaum geschlafen, schon die letzten Nächte seit dem Riderman nicht. Aber dank guter Vorbereitung war das kein Problem. Über die Tage noch mal das Material genau durchgeschaut, alles geputzt und eingestellt. Die Strecke des letzten großen Rennens mit dem Auto abgefahren und den Zieleinlauf noch mal genau eingeprägt – alles vorbereitet, damit so wenig wie möglich schief gehen konnte.

Die Strecke stellte mit 130 flachen Kilometern eigentlich keine große Herausforderung dar, spannend war eher, ob es ein hartes Windkantenrennen werden und ob es dabei reichen würde, in der vordersten Gruppe mit anzukommen.

Am Mittwochmorgen vor dem Start im kalten und leicht verregneten Münster fühle ich mich an die erfolgreiche Regenschlacht von Köln oder die Etappe am Riderman vom vergangenen Samstag erinnert. Früher hätte ich mir nie etwas ausgerechnet, wenn es scheußlich und kalt war, aber seit dieser Saison sieht das ganz anders aus. Umso härter und schwieriger es für alle war, desto besser für mich. Der sechste Platz auf der wirklich selektiven zweiten Etappe beim Riderman hatte es noch einmal gezeigt. Also sicherlich ganz schön nervös, aber auch mit gutem Selbstvertrauen in das letzte Rennen gestartet.

Das Renntempo war von Anfang an deutlich über einem 43-km/h-Schnitt. Einer Attacke folgte die nächste und sobald sich Ausreißergruppen absetzten, übernahmen die großen Teams DKV und Merkur die Nachführarbeit. Meine Befürchtung, dass wir mit einem großen Feld in Münster ankommen würden, legte sich bald. Hohes Tempo, Windkante und Nässe dezimierten das Peloton deutlich und an der „Bergwertung“ in Schöpfingen, circa 30 Kilometer vor dem Ziel waren keine 50 Mann der Spitzengruppe mehr übrig. Ab hier ging das Rennen richtig los. Jeder, der seine Chance in der Flucht sah, versuchte diese umzusetzen. DKV, die mit Sandro Kühmel gleichzeitig den Gesamtführenden und einen der besten Sprinter im Feld stellten, hatten aber alles im Griff, sodass sich niemand wesentlich absetzen konnte.

So ging es hinter dem DKV Zug auf die letzten Kilometer. Wie bei den Profis, vorne sechs Mann Kreisel, dahinter Sandro Kühmel und dann der Rest. Jeder konzentrierte sich darauf, die beste Position für den Zielsprint zu erkämpfen.

Noch 1.000 Meter und alles lief nach Plan, wenn ich jetzt nur halbwegs vorne mit ankommen würde, sollten die Punkte reichen. Noch 300 Meter, ich arbeitete mich immer weiter vor und war plötzlich in der ersten Reihe. Okay, also jetzt konnte mir nur noch ein Sturz das Ergebnis verhageln. Antritt, natürlich viel zu früh, aber in diesem Sinne die Flucht nach vorne. Ich führte die Meute Richtung Ziel. Noch 100 Meter, noch war ich vorne – und dann merkte ich, wie sie an mir vorbeiflogen. 50 Meter können eine Ewigkeit sein, wenn man den Zielstrich schon fühlen kann und von allen Seiten überholt wird.

Egal. Ich war im Ziel! Zwölfter am Schluss und zweiter in der AK – das sollte reichen. Alles richtig gemacht! Eine Saison voller Anspannung und Anstrengung entlud sich. So viele Trainingsstunden und der Aufwand, die Rennen in ganz Deutschland zu bestreiten, jetzt war es geschafft! Gesamtsieg GCC Masters 2 und damit Deutscher Meister, Wahnsinn. :)

In der Hoffnung, dass es klappen könnte, ist auch meine Familie zum Rennen in Münster gekommen und so war die geteilte Freude über den Erfolg doppelt groß.

Zur Veranstaltung in Münster bleibt noch zu sagen, dass hervorragende Arbeit geleistet wurde. Toller Kurs, super Absperrung, top Rennleitung. Der Zieleinlauf der Profis ist identisch mit dem der Jedermänner, was es für Zuschauer, Betreuer und Fahrer einfacher und viel interessanter macht.

Einziges Manko in Münster bleibt die undurchsichtige und schier endlose Siegerehrung, die in Kombination mit dem schlechten Wetter für meine aktuelle Erkältung verantwortlich ist. Hier gäbe es bessere Lösungen, so wie es zum Beispiel in Göttingen organisiert war: alle dritten, zweiten und ersten aller Klassen gemeinsam zu ehren. Damit kommt jeder auf seine Kosten und vor allem bei den teilweise sehr weiten Anfahrten auch wieder halbwegs rechtzeitig nach Hause.

Und was hier nicht fehlen darf – mein Dank an das Team TOUR 2012! Allen Teammitgliedern und vor allem meinem Partner Basti Schels für die unvergessliche gemeinsame Zeit, Teamchef Uwe Geissler für die großartige Unterstützung, Claus Wachsmann von CUBE & Hannu Haslach von Gore und allen weiteren Sponsoren, Sigma, GIRO und Schwalbe für das top Material, Christoph Allwang für den besten SRAM Material Support, der meine Maschine immer wieder perfekt in Renn-Form brachte, Mathias Nothegger, ohne dessen perfektes Training dieser Erfolg nie möglich gewesen wäre, meiner Familie fürs “Aushalten” und meiner Partnerin Kristin für alles!!!

Und so freue ich mich jetzt schon auf den GCC 2013 in neuen Farben.

Alar

 

 

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